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Bruno Giardina

Amt: Präsident
Geburtsdatum: 3.8.1983
Diagnose: Colitis ulcerosa
Beruf: Stv. Geschäftsleiter einer Druckerei

Mein Name ist Bruno Giardina, ich bin am 3.8.1983 im ländlichen Glarnerland geboren. Zu meinen Hobbys: Ich liebe es, fremde Länder zu bereisen und dabei neue Kulturen kennenzulernen, und versuche dies auch mit meiner Krankheit weiterhin so gut wie möglich zu realisieren. Wie es sich für einen Italiener gehört, bin ich ein absoluter Fussballfan und mag gerne Autos, am liebsten alte italienische Autos.

Ich absolvierte nach meiner Schulzeit eine Lehre als Offsetdrucker. Schon damals waren meine längsten Ausfälle und Arztbesuche auf eine Magen-Darm-Problematik zurückzuführen (richtig bewusst wurde mir dies jedoch erst kürzlich, als ich per Zufall die Abwesenheitszeugnisse der Berufsschule betrachtete). «Ständig wiederkehrende Magen-Darm-Grippe» sagte man damals. Jedoch war dies nie wirklich schlimm, sodass nie etwas Ernsthaftes unternommen wurde, ausser ständig meine Symptome zu beruhigen.
Sehr lange Zeit ging es mir dann sehr gut, ohne jegliche Symptome.

Während meinem 31. Lebensjahr, mitten in einem Wellnessurlaub, wurde dann jedoch alles innert kürzester Zeit akut. Mein Zustand verschlimmerte sich ganz schnell. Dank einer super Hausärztin wurde ich nach nur knapp zehn Tage langem Verdacht auf Magen-Darm-Grippe zu einem Gastroenterologen verwiesen, der nach einer Darmspiegelung sehr rasch Colitis ulcerosa diagnostizierte.

Diese Diagnose war für mich und meine Partnerin ein Schock! Was, eine «chronische» Erkrankung?! Und jetzt, wie weiter? Was wird aus mir, meinem Leben? Wie gehen wir damit um? Grosse Ängste plagten mich ...

Hilflos gab ich mich den von den Ärzten vorgeschlagenen Therapien hin, in den ersten zwei bis drei Jahren durfte/musste ich eine grosse Palette der üblichen Medikamente ausprobieren, bis dann nach langem Testen endlich der richtige Mix gefunden wurde und sich so mein Leben wieder etwas beständiger gestaltete.

Der Weg hin zu dieser stabileren Situation ist jedoch nicht immer so leicht und bringt für den Patienten doch einige Stolpersteine mit sich. Abgesehen von der erwähnten Medikamentensuche gilt es auch, sich damit auseinanderzusetzen, eine chronische Krankheit zu haben, sowie sich bewusst zu werden, dass man ab jetzt lebenslänglich (zumindest so lange keine Heilung gefunden wird) therapiert wird, vermutlich für immer Medikamente braucht und ständig von Ärzten begleitet wird. Dies sind alles Tatsachen, welche zuerst akzeptiert werden müssen ... Es brauchte eine gewisse Zeit, bis auch die Psyche sich mit dieser Situation abfinden konnte. Unsere Krankheiten sind nun mal lebenslänglich und ich glaube, es ist einfacher, dies als Lebensbegleiter statt als Lebensstrafe zu sehen. Und die korrekte Therapie resp. die richtige Begleitung ist ein absolutes Muss für jeden von uns, damit genau diese Stabilität das Leben lebenswert macht!

In dieser doch so speziellen Situation versuchte ich immer – sofern möglich –, Positives an dem Ganzen zu suchen und zu finden. Ich sprach ziemlich rasch nach der Diagnose sehr offen über meine gesundheitlichen Probleme und wollte schnell das Tabu, welches in diesem Thema steckt, brechen. So traf ich relativ schnell (und auch dank meinen Ärzten) auf die SMCCV und bekam dort auch sehr viele hilfreiche Tipps, Infos, Hilfe im Umgang mit dieser Krankheit. Mir wurde geholfen, diese Krankheit etwas besser zu verstehen. Es gab Möglichkeiten zu einem Austausch mit anderen Betroffenen. Da wurde mir klar, wir sind ja soooo viele ;-) Ich bin nicht der einzige (dies eine meiner Erkenntnisse).

Diese Hilfe in einer sehr speziellen, so verzweifelten Situation ist der Grund, weshalb ich mich nun als Vorstandsmitglied dieser Vereinigung engagiere. Einerseits möchte ich anderen Betroffenen helfen, mit dieser Lebenssituation klarzukommen und trotz Krankheit ein lebenswertes Leben zu geniessen, andererseits will ich aktiv mithelfen, das Thema CED in der Öffentlichkeit noch stärker zu enttabuisieren!

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass diese chronischen Krankheiten endlich komplett in den Griff bekommen oder sogar geheilt werden können.

Ebenfalls wünsche ich mir für die Zukunft, dass alle chronisch erkrankten Personen in den dunklen Situationen ihres Lebens jemanden finden, der ihnen hilft, und dass chronische Krankheiten in der Gesellschaft endlich kein Tabu mehr sein werden. Dies vor allem auch, wenn es bei der Krankheit um etwas geht wie bei uns, worüber die Menschen nicht gerne sprechen möchten!