Morbus Crohn

Beim Morbus Crohn (Morbus = Krankheit, Crohn nach Burrill B. Crohn, er veröffentlichte die erste wissenschaftliche Beschreibung dieses Krankheitsbildes) handelt es sich um eine chronische Erkrankung, die in Schüben verläuft. Die Entzündung kann im Unterschied zur Colitis ulcerosa den gesamten Verdauungstrakt – von der Mundhöhle bis zum After – betreffen. Am häufigsten befällt der Morbus Crohn den Bereich des terminalen Ileums, also den Übergang vom Dünndarm in den Dickdarm.

Zwei weitere Unterschiede zur Colitis ulcerosa sind typisch für den Morbus Crohn: Die Erkrankung breitet sich nicht kontinuierlich aus, sondern sie kann mehrere, nicht zusammenhängende Stellen des Verdauungstraktes befallen; ausserdem erfasst sie nicht nur die oberste Schleimhautschicht, sondern sie kann alle Schichten der Darmwand betreffen.

Typisches Befallsmuster bei Morbus Crohn (Bild: Gastro-Liga e.V)

Beschwerden

Typische Beschwerden sind hier vor allem Durchfälle, Bauchschmerzen, Fieber, Gewichtsverlust und Stenosen (Darmverengungen) und Fisteln (entzündliche Gangbildungen), zumeist im Bereich des Afters. Ausserdem kann es zu Krankheitsfolgen ausserhalb des Darms, sogenannten extraintestinalen Manifestationen, kommen, z.B. Entzündungen der Augen, der Haut oder der Gelenke.

Verlauf

Schübe und symptomfreie Phasen (Remission) wechseln einander ab. Die Stärke der Krankheitsaktivität ist höchst unterschiedlich. Bei vielen Betroffenen sind die Schübe kurz und die Remissionsphasen lang, bei anderen tritt die Erkrankung leider heftiger und mit häufigeren Entzündungsschüben und Stenosen oder Fisteln auf.

Typische Verlaufsformen (Bild: Gastro-Liga e.V)

Diagnostik

Da alle Abschnitte des Verdauungstraktes von Entzündungen betroffen sein können, zeigt der Morbus Crohn kein einheitliches Krankheitsbild. Bei Verdacht auf einen Morbus Crohn sind im Rahmen der Erstdiagnostik nach der Anamnese und der körperlichen Untersuchung nach wie vor die Bildgebung, die Endoskopie und die Beurteilung von Darmgewebsproben durch einen Pathologen wichtige Punkte. Es werden neben endoskopischen Untersuchungen des Magens, Dünndarmes und Dickdarmes oft auch Ultraschall-Befunde herangezogen.

Vom Morbus Crohn ist die Colitis ulcerosa zu unterscheiden, von den CED sind andere chronische Entzündungsprozesse im Darm abzugrenzen (Differentialdiagnose). Hierzu gehören beispielsweise bakteriell oder viral hervorgerufene Darmentzündungen oder allergische Reaktionen/Unverträglichkeiten, z.B. gegen Nahrungsmittel. Die Abgrenzung des Morbus Crohn zur Colitis ulcerosa ist nicht immer möglich; in diesem Fall spricht man von einer Colitis indeterminata oder einer unklassifizierten chronisch entzündlichen Darmerkrankung (IBDU). Oft wird der Morbus Crohn zu Beginn auch für einen Reizdarm gehalten.

Patienten sollten auf Zeichen der akuten und/oder chronischen Entzündung, Blutarmut, Flüssigkeitsdefizit und Zeichen der Mangelernährung oder der mangelhaften Aufnahme von Nahrungsbestandteilen untersucht werden. Des Weiteren sind Laborwerte und sogenannte Biomarker von Bedeutung. Die Blut- und Stuhlproben sollten auf Entzündungszeichen und auf infektiöse Durchfallerreger inklusive Gift des Clostridium-difficile-Bakteriums untersucht werden.

Da Krankheitszeichen des Morbus Crohn auch ausserhalb des Verdauungstrakts erscheinen können, ist auch die Frage nach solchen an Mund, Haut, Augen und/oder Gelenken wie nach wunden Stellen, Hauteinrissen oder Eiteransammlungen in der Umgebung des natürlichen Darmausgangs bzw. des Schliessmuskels sinnvoll. Bei Kindern kann eine Wachstumsverzögerung der erste Hinweis auf die Krankheit sein. Bei Kindern und Jugendlichen zeigt zum Beispiel nur ein Viertel die klassischen Beschwerden Bauchschmerzen, Durchfall und Gewichtsverlust.

Je nach Beschwerdebild des Patienten, Befallsmuster und Therapie kommen noch weitere Untersuchungen dazu. Auch vor einer Operation und zur Krebsvorsorge und -früherkennung muss sich der Patient weiteren Untersuchungen unterziehen.