Ernährung bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Die Ursachen von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen sind nicht ernährungsbedingt. Dies ist für viele Personen wohl erstaunlich, da es sich beim Darm doch um ein Organ des Verdauungstraktes handelt. Allerdings lassen sich Ernährungsfaktoren feststellen, die einen Einfluss auf die Entstehung der Erkrankung, den Krankheitsverlauf, die Häufigkeit und den Schweregrad akuter Entzündungsschübe haben.

Durch eine mehr oder weniger grosse Angst vor dem Essen während eines Schubes kann es immer wieder zu Mangelzuständen (z.B. Eisen-, B12-, Calcium-, Magnesiummangel …) kommen. Dies kann auch daher kommen, dass die Aufnahme der Nähr- und Wirkstoffe in einem entzündeten Darm gestört ist. Ausserdem gehen bei starkem Durchfall nebst viel Wasser auch Mineralstoffe und andere Nahrungsinhaltsstoffe verloren.

Im akuten Entzündungsschub ist neben der medikamentösen Therapie die Entlastung des erkrankten Darms ein weiteres Behandlungsziel. So sind Trink- oder Sondennahrungen (enterale Ernährung) oder parenterale Ernährung (via Blutgefässe) eine sinnvolle Alternative. So soll auch auf eine genügende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden, da bei Durchfällen sehr viel Wasser und Elektrolyte verloren gehen. Wasser und Tee werden in der Regel gut, Säfte eher schlecht vertragen. Wichtig ist auch  die Einnahme von Trinknahrungen, die für den Körper notwendige Nährstoffe enthalten. Man unterscheidet diverse Formen, z.B. hochmolekulare Flüssignahrungen (enthalten alle wichtigen Nährstoffe und sind ballastreich) oder niedermolekulare Flüssignahrungen (Nährstoffe sind vorgespalten und werden deshalb leichter aufgenommen) sowie flüssige Zusatznahrungen.

Nach Besserung des Zustands und der Entzündungszeichen kann mit dem Kostaufbau begonnen werden. Anfänglich wird leichter Tee, Zwieback, Haferschleim oder Weissbrot gegeben. Danach kann man mit gekochtem Obst oder Gemüse, Kartoffeln, Fleisch, Nudeln, Reis ausprobiert werden. Als Letztes wird Fett dazugenommen. Ziel ist die Ernährung aufgrund einer leichten Vollkost. Bei der leichten Vollkost gibt es keine Verbote, es handelt sich eher um Empfehlungen. Wie gut die Nahrungsmittel aber vertragen werden, ist bei jedem Patienten individuell unterschiedlich. Sinnvoll ist, eine Zeitlang ein Ernährungstagebuch zu führen oder sporadisch zu notieren, wenn man eine Speise nicht gut verträgt. Trotzdem soll hier ein Auszug aus den Empfehlungen wiedergegeben werden:

  • eher fettarme Speisen als fettreiche
  • mild würzen, scharfe Speisen reizen den Darm, frische Kräuter anstelle von Zwiebeln und Knoblauch verwenden
  • Gemüse immer gut kochen, blähende Gemüsesorten (z.B. Blumenkohl, Lauch, Peperoni, Bohnen, Pilze …) eher meiden
  • magere Fleischsorten, Würste und Innereien in kleinen Mengen
  • fettarme Fische
  • Käse eher kalt essen als aufgewärmt (mit Käse überbackene Gratins können Beschwerden auslösen), milde Käsesorten bevorzugen, magere Milchprodukte (Magerquark, Halbrahm, fettfreie Milch …)
  • Kartoffeln eher gedämpft als fritiert
  • Backwaren eher nicht ofenfrisch essen; Brot eher aus feinem Mehl
  • Nur ausgereifte Früchte essen; Steinobst ist schwerer verdaulich, Zitrusfrüchte werden in der Regel nicht so gut vertragen
  • Nüsse sind aufgrund ihres hohen Fettgehalts auch nicht so leicht zu verdauen
  • Schwarzer, starker Kaffee sowie stark gesüsste oder stark kohlensäurehaltige Getränke sind eher zu meiden
  • Grundsätzlich ist die Zubereitungsart der Speisen auch von Wichtigkeit: Fritieren, Panieren oder Gratinieren deshalb weglassen bzw. durch fettärmere ersetzen. Empfehlenswerte Zubereitungsarten sind z.B. Dünsten, Dämpfen, Grillieren, Garen in der Folie, im Backofen oder der Mikrowelle und Pochieren. Auch fette Komponenten wie Rahm, Öl oder Butter sowie Dips, Saucen, Marinaden usw. mit Zurückhaltung verwenden.
  • 5 bis 6 kleinere Mahlzeiten sind einfacher verdaubar als 2 bis 3 üppige Mahlzeiten.

In der Remission gibt es allerdings keine Ernährungsform oder Diät, die das Wiederaufflackern der Entzündungen vermeiden kann. Es können ausschliesslich einige unangenehme Symptome (Blähungen, Bauchschmerzen …) gemindert werden. Ballaststoffe sollten nicht gemieden werden (ausser im akuten Entzündungsschub), sie könnten sogar eine positive Wirkung für CED-Patienten haben, da sie helfen, den Stuhl einzudicken.

Präbiotika unterstützen die Darmflora und das Abwehrsystem des Darms und die Darmzellen selbst. Probiotika sind Bakterien, welche die Magen-Dünndarm-Passage lebend überstehen. Sie können so in den Dickdarm gelangen, sich an der Dickdarmwand anhaften und dadurch vor krankmachenden Eindringlingen schützen. Um den Effekt nutzen zu können, müssen täglich ausreichend dosierte Probiotika-enthaltende Produkte zu sich genommen werden.

Für einen CED-Patienten ist es wichtig, sein Gewicht zu kontrollieren, dieses kann während der verschiedenen Krankheitsphasen recht unterschiedlich sein. Im Normalfall verliert der Patient im akuten Schub an Gewicht. Um mehr als 20 % sollte das Gewicht das Normalgewicht nicht unterschreiten. Durch die Einnahme von Cortison kann es allerdings zu einer schnellen Gewichtszunahme kommen, was sehr unangenehm sein kann. Leichtes Übergewicht in der Remission muss aber nicht durch eine Diät abgebaut werden. Die betroffenen Patienten werden froh sein, Reserven für Schubzeiten gebildet zu haben.

Während eines Schubes kommt es häufig zu einer Unverträglichkeit gegenüber Milchzucker. Das muss nicht bedeuten, dass die Laktose auch in der Remission nicht vertragen wird. Einige Patienten leiden aber dauerhaft darunter.

Wenn Sie an Stenosen leiden, sollten faserige Nahrungsmittel gemieden werden, damit es nicht zu einem Darmverschluss kommt. Dazu gehören unter anderem Äpfel, Tomatenhäute, Blattsalate, Kohl, Nüsse, Zitrusfrüchte, Pilze, Vollkornprodukte, Obstschalen.